Der Auslöser chronischer Erkrankungen?

Degenerative Knochendestruktion (NICO)

 

Degenerative Knochendestruktionen zeichnen sich in den meisten Fällen durch eine Minderdurchblutung aus, einem lokalisierten Infarkt im Knochen, was dazu führt, dass eine Heilung in diesen Arealen nicht stattfindet und die Patienten die Erkrankung und die davon ausgehenden Belastungen über Jahre und Jahrzehnte in sich tragen.

 

Mittlerweile gibt es mehrere hundert medizinische Artikel zum Thema Nico. In den letzten 35 Jahren wurden rund 30 Studien zum Thema Osteonekrose / Nico in Peer Review Journals veröffentlicht.

 

In der universitären Medizin wird die Nico in der Regel nicht wahrgenommen bzw. als nicht therapiebedürftig klassifiziert. Dies mag eine Ursache darin haben, dass mit den bislang üblichen Methoden in der zahnärztlichen Praxis, dem 2D-Röntgenbild eine Darstellung in der Regel nicht erfolgen kann, die 3D-Technik erst seit etwa 5 Jahren in nennenswertem Umfang in der Zahnmedizin zur Verfügung steht und andere Darstellungsformen, z.B. durch Ultraschall in der Zahnmedizin weitgehend unbekannt sind. Jeder zahnärztliche Kollege jedoch, der in den letzten Jahren zur Hospitation in unserer Praxis war und die tatsächlichen Ausmaße der toten Knochenareale mit eigenen Augen gesehen hat und dazu die Berichte der Patienten wahrgenommen hat, war davon überzeugt, dass es sinnvoll, für viele sogar Patienten unabdingbar ist, dass hier eine adäquate Therapie erfolgen muss.

 

Als Grund für die schlechte Darstellbarkeit der Nico im Röntgenbild führt Lechner auch die Veränderungen in der Zusammensetzung des Kieferknochens im Rahmen der degenerativen Veränderungen an. Es kommt zu einem Verlust von Calcium und Phosphat im Knochen, was eine röntgenologisch höhere Strahlendurchlässigkeit (dunkleren Areal auf dem Röntgenbild) vermuten ließe. Andererseits reichern sich gleichzeitig Übergangsmetalle wie Kupfer Eisen und Zink in diesen Arealen an, was die Strahlendurchlässigkeit dieses Areals wiederum vermindert. So können sich diese Effekte in vielen Fällen röntgenologisch aufheben und erschweren damit die Darstellung im Röntgenbild, zumindest im zweidimensionalen Bild.

 

Seit Beginn unserer Tätigkeit haben wir diese Knochenveränderungen in unserer Praxis behandelt. In den letzten Jahren stellen wir eine Zunahme dieser Veränderungen fest, sowohl was die Häufigkeit als auch die Größe angeht. Nicht selten finden wir heute v.a. in Bereichen ehemaliger Weisheitszähne Defekte, die sich über mehrere Zentimeter erstrecken und quasi den Knochen von innen komplett aushöhlen. Fast alle dieser Patienten sind auch von chronischen, meist entzündungsbasierten chronischen Erkrankungen, häufig aber auch neurodegenerativen Erkrankungen wie ALS, Alzheimer, Parkinson oder MS betroffen. Und eher regelmäßig als sporadisch erleben wir dramatische Verbesserungen der Symptome, wenn eine adäquate Therapie durchgeführt wurde.

 

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Fotos: Eröffnung einer oberen Weisheitszahnregion, klinisches Leitsymptom der fettigen Kieferdestruktion: Im Blut schwimmende Fettbläschen, die sich häufig bereits unmittelbar nach dem Öffnen des Zahnfleisches über einem solchen Areal zeigen. Nachdem ein Knochendeckel in diesem Bereich entnommen wurde und dieser in Kochsalzlösung gelegt wurde zeigen sich auch hier sofort viele Fettbläschen.

  

Ohne 3D-Darstellung keine adäquate Diagnose

 

Röntgenologisch lassen sich diese Defekte v.a. im dreidimensionalen digitalen Röntgenbild regelmäßig darstellen, wobei die Diagnostik im DVT (digitales Volumentomogramm) den Vorteil der geringeren Strahlenbelastung, das hochauflösend CT (Computertomogramm) den Vorteil der besseren Darstellbarkeit hat. Zu Routinezwecken nutzen wir daher meist das DVT innerhalb der Praxis, in speziellen Fällen, z.B. bei schweren chronischen Erkrankungen oder im Falle von therapieresistenten Behandlungsverläufen überweisen wir in eine in der Diagnostik der Kieferdestruktionen sehr erfahrenen Röntgenpraxis zur Anfertigung und Befundung eines hochauflösenden (!) CT. 

 

Das Erkennen der degenerativen Knochenveränderungen im dreidimensionalen Bild bedarf einer gewissen Routine in der Befundung eben dieser Veränderungen. In der Medizin wir kennen diesen Umstand aus der Mammographie, von der wir wissen, dass Ärzte, die sich mit diesem Thema regelmäßig beschäftigen, die vorhandenen Unterlagen besser und genauer auswerten: ein Forscherteam analysierte die Auswertungen von Mammographien aus 7 Jahren von mehr als 100 Radiologen und stellte dabei fest, dass die Quote der richtigen Auswertungen zwischen 27% und 100% lag. Diesen Umstand bestätigen auch unsere eigenen Beobachtungen bei der Befundung von DVT und CT hinsichtlich der degenerativen Knochenveränderungen.

 

Abgesehen von der Routine, die wir in unserer Klinik selber bei der Befundung von mehreren hundert eigenen DVT erworben haben, sehen wir täglich die extrem unterschiedliche Auswertungsqualität fremder Aufnahmen. Die Spanne reicht von sehr umfangreichen Befunden, für die der auswertende Arzt sich sehr lange Zeit genommen hat bis hin zu belangslosen Kurzbefunden. Aus dieser Tatsache können wir nur schließen, dass ähnlich wie bei der Mammografie, die Befundungen dieser speziellen Fragestellung auch von Ärzten durchgeführt werden sollten, die sich eben mit dieser speziellen Fragestellung regelmäßig und intensiv auseinandersetzen.

 

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Einen ausführlichen Artikel zu diesem Thema finden Sie hier.

 

Das pdf eines Vortages zu diesem Thema finden Sie hier.